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Читать: Немецкий язык с Генрихом Бёллем. Хлеб ранних лет - Генрих Бёлль на бесплатной онлайн библиотеке Э-Лит


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19        „Ja", sagte ich, „sehr viel."

20        „Es müssen die Leute sein (должно быть, это люди), die Sie (которых Вы)" — sie wurde rot (она стала красной) — „bei denen Sie es getan haben (у которых Вы это сделали /украли/). Mein Bruder sagte: „Ich weiß es aus erster Quelle (я знаю это из первого источника)." Sie nahm den zweiten Bissen, sah an mir vorbei (посмотрела мимо меня) und sagte leise: „Es tut mir Leid (я сожалею), dass ich Sie so weggeschickt habe (что я Вас так отправила = выпроводила), aber ich hatte Angst (но я боялась), und als ich es tat (и когда я это делала /выгоняла/), dachte ich gar nicht an die Geschichte (я совсем не думала о /той/ истории), die mein Bruder mir erzählt hatte."

21        „Fast wünsche ich (я почти желаю)", sagte ich, „ich hätte wirklich gestohlen (/чтобы/ я /тогда/ украл по-настоящему), aber das Dumme ist (но самое глупое), dass es nichts weiter als eine Ungeschicklichkeit war (что это было не более, чем неумелость: «ничего больше как неумелость»; das Geschick — ловкость). Ich war zu jung damals, zu bange (слишком робок) — heute würde ich es besser machen (сегодня я бы сделал это лучше)."

22        „Keine Spur von Reue in Ihnen (в Вас /нет/ ничего, подобного раскаянию; die Spur — след; die Reue), wie?" sagte sie und steckte wieder einen Bissen Brot in den Mund.

23        „Nein", sagte ich, „keine Spur (ничего подобного) — nur, wie es herauskam (только это обнаружилось), das war häßlich (это было отвратительно), und ich konnte mich nicht wehren (и я не мог защищаться; sich wehren). Und sie verziehen es mir — wissen Sie, wie herrlich es ist (как это прекрасно), etwas verziehen zu bekommen (получить прощение), das man gar nicht als eine Schuld empfindet (за то, что совсем не чувствуешь как вину)?"

24        „Nein", sagte sie, „ich weiß es nicht, aber ich denke mir, dass es schlimm ist. Sie haben nicht", sagte sie lächelnd, „haben nicht zufällig (случайно) noch Brot in der Tasche. Was machen Sie damit (что Вы с ним делаете)? Füttern Sie die Vögel (кормите птиц; der Vogel) — oder haben Sie Angst vor einer Hungersnot (или боитесь голода /что снова наступит голод/; der Hunger — голод, die Not — бедствие)?"

25        „Ich habe immer Angst vor einer Hungersnot", sagte ich. „Möchten Sie mehr Brot?"

26        „Ja", sagte sie.

27        „Kommen Sie", sagte ich, „ich kaufe Ihnen welches (я куплю Вам что-нибудь /хлеб/)."

28        „Man könnte glauben (можно было бы подумать), in der Wüste zu sein (что находишься в пустыне)", sagte sie, „ich habe seit sieben Stunden nichts gegessen (уже семь часов, как я ничего не ела) und nichts getrunken (ничего не пила)."

29        „Kommen Sie", sagte ich.

30        Sie schwieg (молчала) und lächelte nicht mehr (и больше не улыбалась). „Ich komme mit Ihnen (я пойду с Вами)", sagte sie langsam, „wenn Sie mir versprechen (ели Вы мне обещаете), nicht mehr so plötzlich (больше так внезапно) und mit so vielen Blumen (и с таким большим количеством цветов) auf mein Zimmer zu kommen (в мою комнату не приходить)."

31        „Ich verspreche es Ihnen", sagte ich.

32        Sie beugte sich hinter die Tür (она нагнулась за дверь; sich beugen) und schlug den Haken mit der Hand hoch (выбила крюк рукой вверх; schlagen-schlug-geschlagen), und ich hörte den Haken gegen die Wand schlagen (и я слышал, как крюк ударил о стену).

1          „Damals", sagte ich, „waren Sie blond."

2          „Wann, damals?" fragte sie.

3          „Vor sieben Jahren, kurz bevor ich von zu Hause wegging."

4          „Ja", sagte sie lächelnd, „damals war ich blond und blutarm."

5          „Ich sah nach blonden Mädchen aus heute morgen", sagte ich, „aber Sie haben die ganze Zeit hinter mir auf dem Koffer gesessen."

6          „Nicht lange", sagte sie, „ich hatte mich gerade hingesetzt, als Sie kamen. Ich habe Sie gleich erkannt, aber ich wollte Sie nicht ansprechen." Sie lächelte wieder.

7          „Warum?" sagte ich.

8          „Weil Sie so ein böses Gesicht hatten, und weil Sie so erwachsen und so wichtig aussahen, und ich habe Angst vor wichtigen Leuten."

9          „Was dachten Sie?" fragte ich.

10        „Oh, nichts", sagte sie. „Ich dachte: das ist also der junge Fendrich; auf dem Bild, das Ihr Vater hat, sehen Sie viel jünger aus. Man spricht nicht gut von Ihnen. Jemand hat mir erzählt, dass Sie gestohlen haben." Sie wurde rot, und ich konnte deutlich sehen, dass sie nicht mehr blutarm war: sie wurde so glühend rot, dass es mir unerträglich war, es zu sehen.

11        „Nicht", sagte ich leise, „werden Sie nicht rot. Ich habe wirklich gestohlen, aber es ist sechs Jahre her, und es war — ich würde es wieder tun. Wer hat es Ihnen erzählt?"

12        „Mein Bruder", sagte sie, „und er ist gar kein übler Kerl."

13        „Nein", sagte ich, „er ist gar kein übler Kerl. Und Sie haben daran gedacht, dass ich gestohlen habe, eben als ich weggegangen war."

14        „Ja", sagte sie, „ich habe daran gedacht, aber nicht lange."

15        „Wie lange denn?" fragte ich.

16        „Ich weiß nicht", sagte sie lächelnd, „ich habe auch an andere Dinge gedacht. Ich hatte Hunger", sagte sie, „aber ich hatte Angst hinunterzugehen, weil ich wusste, dass Sie hier standen."

17        Ich zog das Brötchen aus der Rocktasche, sie nahm es lächelnd, brach es schnell auf, und ich sah ihren weißen kräftigen Daumen tief in den weichen Teig hineinsinken, wie in ein Kissen hinein. Sie aß einen Bissen,und bevor sie den zweiten nahm, sagte ich: „Sie wissen nicht, wer Ihrem Bruder von meinem Diebstahl erzählt hat?"

18        „Liegt Ihnen viel daran, es zu wissen?"

19        „Ja", sagte ich, „sehr viel."

20        „Es müssen die Leute sein, die Sie" — sie wurde rot — „bei denen Sie es getan haben. Mein Bruder sagte: ,Ich weiß es aus erster Quelle.'" Sie nahm den zweiten Bissen, sah an mir vorbei und sagte leise: „Es tut mir Leid, dass ich Sie so weggeschickt habe, aber ich hatte Angst, und als ich es tat, dachte ich gar nicht an die Geschichte, die mein Bruder mir erzählt hatte."

21        „Fast wünsche ich", sagte ich, „ich hätte wirklich gestohlen, aber das Dumme ist, dass es nichts weiter als eine Ungeschicklichkeit war. Ich war zu jung damals, zu bange — heute würde ich es besser machen."

22        „Keine Spur von Reue in Ihnen, wie?" sagte sie und steckte wieder einen Bissen Brot in den Mund.

23        „Nein", sagte ich, „keine Spur — nur, wie es herauskam, das war häßlich, und ich konnte mich nicht wehren. Und sie verziehen es mir — wissen Sie, wie herrlich es ist, etwas verziehen zu bekommen, das man gar nicht als eine Schuld empfindet?"

24        „Nein", sagte sie, „ich weiß es nicht, aber ich denke mir, dass es schlimm ist. Sie haben nicht", sagte sie lächelnd, „haben nicht zufällig noch Brot in der Tasche. Was machen Sie damit? Füttern Sie die Vögel — oder haben Sie Angst vor einer Hungersnot?"

25        „Ich habe immer Angst vor einer Hungersnot", sagte ich. „Möchten Sie mehr Brot?"

26        „Ja", sagte sie.

27        „Kommen Sie", sagte ich, „ich kaufe Ihnen welches."

28        „Man könnte glauben, in der Wüste zu sein", sagte sie, „ich habe seit sieben Stunden nichts gegessen und nichts getrunken."

29        „Kommen Sie", sagte ich.

30        Sie schwieg und lächelte nicht mehr. „Ich komme mit Ihnen", sagte sie langsam, „wenn Sie mir versprechen, nicht mehr so plötzlich und mit so vielen Blumen auf mein Zimmer zu kommen."

31        „Ich verspreche es Ihnen", sagte ich.

32        Sie beugte sich hinter die Tür und schlug den Haken mit der Hand hoch, und ich hörte den Haken gegen die Wand schlagen.

1          „Es ist nicht weit (это недалеко)", sagte ich, „nur um die Ecke (сразу за углом), kommen Sie", aber sie blieb stehen (но она осталась стоять), hielt die zuschlagende Tür mit dem Rücken fest (удерживала закрывающуюся дверь спиной; festhalten) und wartete (и ждала), bis ich vorangegangen war (пока я не пошёл вперёд; vorangehen). Ich ging ein wenig vor ihr her (я шёл немного впереди неё), drehte mich manchmal um (иногда оборачивался; sich umdrehen), und jetzt erst sah ich (и только теперь я увидел = заметил), dass sie ihre Handtasche mitgenommen hatte (что она взяла с собой свою сумочку; die Handtasche — дамскаясумка, die Hand, die Tasche; mitnehmen).

2          Hinter der Theke im Café stand jetzt ein Mann (стоял теперь мужчина), der frische Apfelkuchen mit einem großen Messer in Stücke schnitt (который резал свежий яблочный пирог на куски большим ножом; der Apfel, der Kuchen; das Stück — кусок; schneiden): das braune Gitterwerk aus Teig (коричневая решётка из теста; das Gitter — решётка, das Werk — работа, дело; der Teig) über dem grünen Apfelmus (над зелёным яблочным муссом; das Mus) war frisch (была свежей), und der Mann drückte das Messer vorsichtig in den Kuchen (вдавливал нож в пирог осторожно), um das Gitterwerk nicht zu zerstören (чтобы не разрушить решётку). Wir standen schweigend nebeneinander vor der Theke (мы молча стояли рядом друг с другом перед прилавком) und sahen dem Mann zu (и наблюдали за мужчиной).

3          „Hier gibt es (здесь есть)", sagte ich leise zu Hedwig, „auch Hühnerbrühe und Goulaschsuppe (также куриный бульон и суп-гуляш; das Huhn — курица, die Brühe — бульон, die Suppe — суп)."

4          „Ja", sagte der Mann ohne aufzusehen (сказал мужчина, не поднимая глаз; aufsehen — взглянутьвверх), „können Sie haben (можете иметь = получить)." Sein Haar war schwarz und dicht (его волосы были чёрные и густые; das Haar), da, wo es unter der Bäckermütze herauskam (там, где они выбивались из-под пекарской шапочки; der Bäcker — пекарь, die Mütze — шапка; herauskommen — выходить), und der Mann roch nach Brot (и от мужчины пахло хлебом; riechen-roch-gerochen), so wie Bäuerinnen nach Milch riechen (так, как от крестьянок пахнет молоком).

5          „Nein",  sagte Hedwig, „keine Suppe (не надо супа). Kuchen."

6          „Wie viel (сколько)?" sagte der Mann; er machte den letzten Schnitt in den Kuchen (он сделал последний разрез в пироге), zog das Messer mit einem Ruck heraus (разом вытащил нож; der Ruck — толчок; herausziehen) und betrachtete lächelnd sein Werk (и, улыбаясь, рассматривал свою работу). „Wetten (спорим)", sagte er, und sein schmales dunkles Gesicht (и его узкое тёмное лицо) schrumpfte unter einem Lächeln zusammen (сморщилось от улыбки; zusammenschrumpfen), „wetten, dass die Stücke alle genau gleich groß (что куски все точно одинакового размера) und gleich schwer  sind (и одинакового веса). Höchstens (самое большее)" — er legte das Messer weg (он отложил нож; weglegen) — „höchstens zwei, drei Gramm Unterschied (два, три грамма разницы; der Unterschied, unterscheiden — отличать), das ist unvermeidlich (это неизбежно). Wetten?"

7          „Nein", sagte ich lächelnd, „ich wette nicht; diese Wette würde ich verlieren (это пари я бы проиграл)." Der Kuchen sah aus (пирог выглядел) wie die Rosetten in den Kathedralen (как розетки в кафедральных соборах; die Rosette; die Kathedrale). „Aber sicher (безусловно)", sagte der Mann, „sicher würden Sie verlieren. Wie viel wünschen Sie (сколько Вы желаете /кусков/)?"

8          Ich sah Hedwig fragend an (я вопросительно посмотрел на Хедвиг). Sie lächelte und sagte: „Eins ist zu wenig (один — слишком мало) und zwei sind zu viel (а два — слишком много)."

9          „Einundeinhalb also (итак, полтора)", sagte der Mann.

10        „Kann man das haben (это можно)?" fragte Hedwig.

11        „Aber sicher", sagte er, ergriff das Messer (схватил нож; ergreifen) und schnitt eins von den Kuchenstücken genau in der Mitte durch (и разрезал один из кусков пирога точно в середине; durchschneiden). „Für jeden also einundeinhalb (стало быть, для каждого полтора /куска/)", sagte ich, „und Kaffee dazu (и к ним кофе)."

12        Die Tassen standen noch auf dem Tisch (чашки ещё стояли на столе), an dem ich mit Wolf gesessen hatte (за которым /раньше/ я сидел с Вольфом), und auf meinem Teller lagen noch Krümel von den Brötchen (и на моей тарелке ещё лежали крошки от булочек). Hedwig setzte sich auf den Stuhl (села на стул), auf dem Wolf gesessen hatte (на котором /раньше/ сидел Вольф), ich zog die Zigaretten aus der Tasche (я вытащил сигареты из кармана) und hielt sie ihr hin (и протянул их ей; hinhalten). „Nein, danke", sagte sie, „vielleicht nachher (может быть позже),"

13        „Etwas", sagte ich und setzte mich, „muss ich Sie noch fragen (я ещё должен Вас спросить), etwas (кое-что), das ich immer schon gerne Ihren Vater gefragt hätte (что я всегда хотел спросить: «всегда охотно спросил бы» Вашего отца) — aber ich war natürlich zu bange dazu (но я был, конечно, был слишком робкий для этого)."

14        „Was ist es?" sagte sie.

15        „Wie kommt es (чем объясняется то)", sagte ich, „dass Sie Muller heißen (что Ваша фамилия Муллер) und nicht Müller (а не Мюллер)?"

16        „Ach", sagte sie, „das ist eine dumme Geschichte, über die ich mich schon oft geärgert habe (из-за которой я уже не раз злилась; sich ärgern)."

17        „Wieso (почему)?" sagte ich.

18        „Mein Großvater hieß noch Müller (моего дедушку ещё звали Мюллер), er hatte aber viel Geld (у него, однако, было много денег) und sein Name war ihm zu ordinär (и его фамилия была для него = представлялась ему слишком обычной = заурядной), und er gab wahnsinnig viel Geld dafür (он отдал безумно много денег за то), um die beiden Pünktchen auf unserem U auszumerzen (чтобы обе точки на нашем U искоренить). Ich bin wütend auf ihn (я в ярости на него)."

19        „Warum?"

20        „Weil ich lieber Müller hieße (потому что я охотнее называлась бы Мюллер; gern — охотно) und das Geld hätte (и имела бы /те/ деньги), das es gekostet hat (которые стоило), die beiden unschuldigen Pünktchen zu töten (убить /эти/ обе = две невинные точки). Ich wünschte, ich hätte das Geld, dann müsste ich nicht Lehrerin werden (тогда я не должна бы была становиться учительницей)."

21        „Werden Sie es nicht gern (Вы становитесь неохотно = не хотите стать учительницей)?" fragte ich.

22        „Auch nicht ungern (и не неохотно)", sagte sie, „aber ich bin auch nicht verrückt drauf (но я и не схожу с ума от того; verrückt— сумасшедший), es zu werden (чтобы стать /учительницей/). Aber Vater sagt, ich müsste es werden, damit ich mich ernähren kann (чтобы иметь возможность прокормить себя)."

23        „Wenn Sie wollen (если Вы хотите)", sagte ich leise (тихо), „werde ich Sie ernähren (я буду Вас кормить)."

1          „Es ist nicht weit", sagte ich, „nur um die Ecke, kommen Sie", aber sie blieb stehen, hielt die zuschlagende Tür mit dem Rücken fest und wartete, bis ich vorangegangen war. Ich ging ein wenig vor ihr her, drehte mich manchmal um, und jetzt erst sah ich, dass sie ihre Handtasche mitgenommen hatte.

2          Hinter der Theke im Café stand jetzt ein Mann, der frische Apfelkuchen mit einem großen Messer in Stücke schnitt: das braune Gitterwerk aus Teig über dem grünen Apfelmus war frisch, und der Mann drückte das Messer vorsichtig in den Kuchen, um das Gitterwerk nicht zu zerstören. Wir standen schweigend nebeneinander vor der Theke und sahen dem Mann zu.

3          „Hier gibt es", sagte ich leise zu Hedwig, „auch Hühnerbrühe und Goulaschsuppe."

4          „Ja", sagte der Mann ohne aufzusehen, „können Sie haben." Sein Haar war schwarz und dicht, da, wo es unter der Bäckermütze herauskam, und der Mann roch nach Brot, so wie Bäuerinnen nach Milch riechen.

5          „Nein",  sagte Hedwig, „keine Suppe. Kuchen."

6          „Wie viel?" sagte der Mann; er machte den letzten Schnitt in den Kuchen, zog das Messer mit einem Ruck heraus und betrachtete lächelnd sein Werk. „Wetten", sagte er, und sein schmales dunkles Gesicht schrumpfte unter einem Lächeln zusammen, „wetten, dass die Stücke alle genau gleich groß und gleich schwer sind. Höchstens" — er legte das Messer weg — „höchstens zwei, drei Gramm Unterschied, das ist unvermeidlich. Wetten?"

7          „Nein", sagte ich lächelnd, „ich wette nicht; diese Wette würde ich verlieren." Der Kuchen sah aus wie die Rosetten in den Kathedralen. „Aber sicher", sagte der Mann, „sicher würden Sie verlieren. Wie viel wünschen Sie?"

8          Ich sah Hedwig fragend an. Sie lächelte und sagte: „Eins ist zu wenig und zwei sind zuviel."

9          „Einundeinhalb also", sagte der Mann.

10        „Kann man das haben?" fragte Hedwig.

11        „Aber sicher", sagte er, ergriff das Messer und schnitt eins von den Kuchenstücken genau in der Mitte durch. „Für jeden also einundeinhalb", sagte ich, „und Kaffee dazu."

12        Die Tassen standen noch auf dem Tisch, an dem ich mit Wolf gesessen hatte, und auf meinem Teller lagen noch Krümel von den Brötchen. Hedwig setzte sich auf den Stuhl, auf dem Wolf gesessen hatte, ich zog die Zigaretten aus der Tasche und hielt sie ihr hin. „Nein, danke", sagte sie, „vielleicht nachher,"

13        „Etwas", sagte ich und setzte mich, „muss ich Sie noch fragen, etwas, das ich immer schon gerne Ihren Vater gefragt hätte — aber ich war natürlich zu bange dazu."

14        „Was ist es?" sagte sie.

15        „Wie kommt es", sagte ich, „dass Sie Muller heißen und nicht Müller?"

16        „Ach", sagte sie, „das ist eine dumme Geschichte, über die ich mich schon oft geärgert habe."

17        „Wieso?" sagte ich.

18        „Mein Großvater hieß noch Müller, er hatte aber viel Geld und sein Name war ihm zu ordinär, und er gab wahnsinnig viel Geld dafür, um die beiden Pünktchen auf unserem U auszumerzen. Ich bin wütend auf ihn."

19        „Warum?"

20        „Weil ich lieber Müller hieße und das Geld hätte, das es gekostet hat, die beiden unschuldigen Pünktchen zu töten. Ich wünschte, ich hätte das Geld, dann müsste ich nicht Lehrerin werden."

21        „Werden Sie es nicht gern?" fragte ich.

22        „Auch nicht ungern", sagte sie, „aber ich bin auch nicht verrückt drauf, es zu werden. Aber Vater sagt, ich müsste es werden, damit ich mich ernähren kann."



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