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Читать: Немецкий язык с Генрихом Бёллем. Хлеб ранних лет - Генрих Бёлль на бесплатной онлайн библиотеке Э-Лит


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11        „Aber du hast sie erwähnt, hier und jetzt — und nun hast du das Geld, gib es deinem Vater."

12        „Nimm das Geld zurück (возьми деньги обратно)", sagte er, „das kannst du nicht tun (ты не можешь так поступать: «это делать»)."

13        „Warum nicht (почему нет)?" sagte ich ruhig, „ich habe geklaut damals, und ich bezahle jetzt das (и я теперь плачу за то), was ich geklaut habe. Sonst noch was auf der Rechnung (что-нибудь ещё /стоит/ в счёте)?"

14        Er schwieg (он молчал; schweigen), und jetzt tat er mir Leid (и теперь мне было его жаль), weil er nicht wusste (так как он не знал), was er mit dem Geld anfangen sollte (что он должен делать с /этими/ деньгами; anfangen — начинать): er hielt es in seiner Hand (он держал их в своей руке; halten), und ich sah, dass sich in der gekrümmten Hand Schweißperlen bildeten (что на /его/ изогнутой = сжатой руке образовались = выступили капельки пота; sich bilden; der Schweiß — пот, die Perle — жемчужина; krümmen — сгибать), auch auf seinem Gesicht waren welche (и на его лице были некоторые = несколько капель пота), und er machte ein Gesicht (он сделал /такое/ лицо), wie er es gemacht hatte (как = каким он его делал), wenn die Gehilfen ihn anbrüllten (когда помощники орали на него) — oder wenn sie Zoten erzählten (или когда они рассказывали непристойные анекдоты; die Zote — непристойность).

1          „Übrigens", sagte er, „hat die Sache geklappt."

2          Ich sah fragend zu ihm auf.

3          „Hat Ulla dir gestern nicht erzählt von dem Auftrag für die Tritonia?"

4          „Doch", sagte ich leise, „sie hat mir gestern davon erzählt."

5          „Wir haben den Auftrag bekommen", sagte Wolf strahlend, „heute Morgen ist der Zuschlag erteilt worden. Ich hoffe, du wirst wieder zurechnungsfähig sein, wenn wir anfangen, am Freitag. Was soll ich Vater sagen? Was soll ich Vater überhaupt sagen? Er ist so wütend auf dich, wie er es seit der dummen Geschichte damals nicht mehr gewesen ist."

6          Ich legte das Brötchen weg und stand auf.

7          „Seit welcher Geschichte?" sagte ich. Ich sah seinem Gesicht an, dass es ihm Leid tat, davon angefangen zu haben, aber er hatte davon angefangen — und ich öffnete meine hintere Hosentasche, in der mein Geld eingeknöpft war, ließ die Geldscheine durch meine Hand gleiten, entsann mich plötzlich, dass es nur Hunderter und Fünfziger waren, steckte das Geld wieder weg, knöpfte den Knopf zu und griff in die Rocktasche, in der noch das Geld war, das ich von der Theke des Blumenladens wieder weggenommen hatte. Ich nahm einen Zwanzigmarkschein, ein Zweimarkstück und fünfzig Pfennige, nahm Wolfs rechte Hand, öffnete sie und drückte das Geld hinein.

8          „Das ist für die Geschichte damals", sagte ich. „Zwei Mark und fünfundzwanzig kosteten die Kochplatten, die ich geklaut hatte. Gib das Geld deinem Vater, es waren genau zehn."

9          „Die Geschichte", sagte ich leise, „wird wohl sechs Jahre her sein, aber ihr habt sie nicht vergessen. Ich bin froh, dass du mich daran erinnerst."

10        „Es tut mir Leid", sagte Wolf, „dass ich sie erwähnt habe."

11        „Aber du hast sie erwähnt, hier und jetzt — und nun hast du das Geld, gib es deinem Vater."

12        „Nimm das Geld zurück", sagte er, „das kannst du nicht tun."

13        „Warum nicht?" sagte ich ruhig, „ich habe geklaut damals, und ich bezahle jetzt das, was ich geklaut habe. Sonst noch was auf der Rechnung?"

14        Er schwieg, und jetzt tat er mir Leid, weil er nicht wusste, was er mit dem Geld anfangen sollte: er hielt es in seiner Hand, und ich sah, dass sich in der gekrümmten Hand Schweißperlen bildeten, auch auf seinem Gesicht waren welche, und er machte ein Gesicht, wie er es gemacht hatte, wenn die Gehilfen ihn anbrüllten — oder wenn sie Zoten erzählten.

1          „Wir waren beide sechzehn (нам обоим было /по/ шестнадцать /лет/), als die Geschichte passierte (когда произошла /эта/ история)", sagte ich, „wir fingen zusammen die Lehre an (мы начинали вместе учёбу; anfangen) — aber nun bist du dreiundzwanzig (но теперь тебе двадцать три), und du hast sie nicht vergessen (и ты её /эту историю/ не забыл). Komm, gib das Geld zurück (верни /мне/ деньги; zurückgeben), wenn es dich quält (если это тебя мучает). Ich kann es ja deinem Vater schicken (ведь я могу их /деньги/ послать твоему отцу)."

2          Ich öffnete seine Hand wieder (я снова раскрыл его ладонь), sie war warm und naß von Schweiß (и мокрая = влажная от пота), und ich steckte die Münzen und den Schein wieder in meine Rocktasche zurück (засунул обратно в карман моего пиджака; zurückstecken).

3          „Geh jetzt", sagte ich leise, aber er blieb stehen (но он продолжал стоять) und sah mich an (и смотрел на меня; ansehen), wie er mich damals angesehen hatte (как он смотрел на меня тогда), als herauskam (когда обнаружилось: «вышло наружу»; herauskommen), dass ich geklaut hatte: er hatte es nicht geglaubt (он в это не верил) und mich verteidigt (и защищал меня) mit seiner hellen, eifrigen Jungenstimme (своим звонким, ревностным мальчишеским голосом; der Junge, die Stimme), und er war mir damals (он мне тогда) — obwohl wir auf den Monat gleichaltrig waren (хотя мы были одного возраста, с разницей в месяц) — vorgekommen (казался) wie ein sehr viel jüngerer Bruder (братом, намного младше меня: «как очень намного младший брат»; jung — молодой), der die Prügel einsteckt (который сносит побои; der Prügel), die man selbst verdient hat (которые ты сам заработал); der Alte hatte ihn angebrüllt (старик наорал на него) und ihn zuletzt geohrfeigt (и в конце концов дал ему оплеуху; die Ohrfeige — пощёчина), und ich hätte tausend Brote darum gegeben (и я отдал бы тысячу буханок хлеба), wenn ich den Diebstahl nicht hätte zugeben müssen (если я не должен был бы сознаться в краже = чтобы не сознаваться; der Dieb — вор, stehlen-stahl-gestohlen — красть). Aber ich hatte ihn zugeben müssen (но я должен был признать её /кражу/); draußen auf dem Hof vor der Werkstatt (снаружи во дворе перед мастерской), die schon im Dunkeln lag (которая уже лежала = находилась в темноте; liegen-lag-gelegen), unter der jämmerlichen 15-Watt-Birne (под жалкой лампочкой в пятнадцать ватт), die lose in einer verrosteten Fassung hing (которая свободно висела = болталась в заржавевшем патроне; hängen-hing-gehangen) und im Novemberwind schaukelte (и раскачивалась на ноябрьском ветру; die Schaukel — качели). Wolfs helle, protestierende Kinderstimme (звонкий, протестующий детский голос Вольфа) war von meinem winzigen «Ja» getötet worden (был убит моим крошечным «да»), als der Alte mich fragte (когда старик спросил меня), und die beiden waren zusammen über den Hof in die Wohnung gegangen (и они оба вместе пошли через двор в квартиру = домой). Wolf hatte mich immer für das gehalten (Вольф всегда считал меня тем), was in seinem Kinderherzen ein „feiner Kerl" war (что в его детском сердце было «хороший парень»), und es war schlimm für ihn gewesen (и это было плохо для него), mir diesen Titel streichen zu müssen (/что/ он должен был лишить меня этого титула). Ich fühlte mich dumm und elend (я чувствовал себя глупым и несчастным), als ich in der Straßenbahn ins Lehrlingsheim zurückfuhr (когда я на трамвае ехал обратно в общежитие): ich hatte nicht eine Sekunde lange Gewissensbisse (у меня ни на секунду не было угрызений совести; das Gewissen — совесть, beißen-biss-gebissen — кусать; der Biss — укус) wegen der geklauten Kochplatten (из-за украденных электроплиток), die ich gegen Brot und Zigaretten getauscht hatte (которые я обменял на хлеб и сигареты); ich hatte schon angefangen (я уже начал), mir über die Preise Gedanken zu machen (задумываться о ценах: «себе мысли делать»). Es hatte mir nichts daran gelegen (мне было безразлично; es liegt mir nichts daran), von Wolf für einen feinen Kerl gehalten zu werden (/чтобы/ Вольф считал меня: «Вольфом считаться» хорошим парнем), aber es lag mir etwas daran (но мне было не совсем безразлично), von ihm nun berechtigterweise nicht dafür gehalten zu werden (/чтобы/ он теперь, справедливо, не считал /меня/ этим /хорошим парнем/).

1          „Wir waren beide sechzehn, als die Geschichte passierte", sagte ich, „wir fingen zusammen die Lehre an — aber nun bist du dreiundzwanzig, und du hast sie nicht vergessen. Komm, gib das Geld zurück, wenn es dich quält. Ich kann es ja deinem Vater schicken."

2          Ich öffnete seine Hand wieder, sie war warm und naß von Schweiß, und ich steckte die Münzen und den Schein wieder in meine Rocktasche zurück.

3          „Geh jetzt", sagte ich leise, aber er blieb stehen und sah mich an, wie er mich damals angesehen hatte, als herauskam, dass ich geklaut hatte: er hatte es nicht geglaubt und mich verteidigt mit seiner hellen, eifrigen Jungenstimme, und er war mir damals — obwohl wir auf den Monat gleichaltrig waren — vorgekommen wie ein sehr viel jüngerer Bruder, der die Prügel einsteckt, die man selbst verdient hat; der Alte hatte ihn angebrüllt und ihnzuletzt geohrfeigt, und ich hätte tausend Brote darum gegeben, wenn ich den Diebstahl nicht hätte zugeben müssen. Aber ich hatte ihn zugeben müssen; draußen auf dem Hof vor der Werkstatt, die schon im Dunkeln lag, unter der jämmerlichen 15-Watt-Birne, die lose in einer verrosteten Fassung hing und im Novemberwind schaukelte. Wolfs helle, protestierende Kinderstimme war von meinem winzigen Ja getötet worden, als der Alte mich fragte, und die beiden waren zusammen über den Hof in die Wohnung gegangen. Wolf hatte mich immer für das gehalten, was in seinem Kinderherzen ein „feiner Kerl" war, und es war schlimm für ihn gewesen, mir diesen Titel streichen zu müssen. Ich fühlte mich dumm und elend, als ich in der Straßenbahn ins Lehrlingsheim zurückfuhr: ich hatte nicht eine Sekunde lange Gewissensbisse wegen der geklauten Kochplatten, die ich gegen Brot und Zigaretten getauscht hatte; ich hatte schon angefangen, mir über die Preise Gedanken zu machen. Es hatte mir nichts daran gelegen, von Wolf für einen feinen Kerl gehalten zu werden, aber es lag mir etwas daran, von ihm nun berechtigterweise nicht dafür gehalten zu werden.

1          Am anderen Morgen hatte der Alte mich ins Büro rufen lassen (позвал меня в контору), hatte Veronika hinausgeschickt (выслал = отправил /из комнаты/ Веронику), und seine dunklen Hände hatten verlegen mit der Zigarre gespielt (его тёмные руки смущённо играли сигарой), dann hatte er — was er sonst nie tat (что он ещё никогда не делал) — seinen grünen Filzhut vom Kopf genommen (снял с головы свою зелёную фетровую шляпу) und gesagt: „Ich habe Kaplan Derichs angerufen (я звонил капеллану Дериксу) und erst jetzt erfahren (и только сейчас узнал), dass deine Mutter vor kurzem gestorben ist (что твоя мать недавно умерла). Wir wollen nie mehr davon reden (мы больше никогда не будем об этом говорить), nie mehr, hörst du (ты слышишь)? Nun geh."

2          Ich ging, und als ich in die Werkstatt zurückkam (и когда я вернулся в мастерскую; zurückkommen), dachte ich (я подумал): Wovon nicht mehr reden (о чём больше не будем говорить)? Von Mutters Tod? Und ich hasste den Alten noch mehr als vorher (и я возненавидел старика ещё больше, чем раньше): ich kannte den Grund nicht (я не знал причины), aber ich wusste (но я знал), dass ich Grund hatte (что причина у меня есть). Seitdem war nie mehr von der Geschichte gesprochen worden (с тех пор никогда больше не говорилось о /той/ истории), nie mehr — und ich hatte nie mehr geklaut (и я никогда больше не воровал), nicht, weil ich das Klauen für unberechtigt gehalten hätte (не потому, что я считал кражу незаконной), sondern weil es mir schrecklich war (а потому, что мне было страшно), von ihnen (от них) noch einmal (ещё раз) Mutters Tod wegen (из-за смерти матери) etwas verziehen zu bekommen (получить за что-нибудь прощение; verzeihen— прощать). „Geh jetzt", sagte ich zu Wolf, „geh." „Es tut mir Leid", sagte er, ;,es ... ich ..." Seine Augen sahen aus (его глаза выглядели /так/ = он смотрел так), als glaube er immer noch an feine Kerle (как будто он всё ещё верит в «хороших парней»), und ich sagte: „Es ist gut jetzt, denke nicht mehr daran (не думай больше об этом) und geh."

3          Er sah jetzt aus, wie Männer aussehen (как выглядят мужчины), die mit vierzig Jahren (которые в сорок лет) das verlieren (теряют то) was sie ihre Ideale nennen (что они называют своими идеалами): ein bisschen schwammig schon (уже немного обрюзгший), und freundlich (приветливый) und selbst ein bisschen von dem (и сам немного из тех), was sie feiner Kerl nennen (кого они называют «хорошим парнем»).

4          „Was soll ich denn Vater sagen?"

5          „Schickt er dich?"

6          „Nein", sagte er, „ich weiß nur, dass er sehr böse ist und dass er versuchen wird (и что он попытается), dich zu erreichen (тебя достать = связаться с тобой), um über den Tritonia-Auftrag mit dir zu reden (чтобы поговорить с тобой о заказе /для/ Тритонии)."

7          „Ich weiß noch nicht, was sein wird (что будет)!"

8          „Weißt du es wirklich nicht?"

9          „Nein", sagte ich, „wirklich nicht."

10        „Stimmt es (это верно; stimmen — бытьверным), was die Mädchen von Frau Flink sagten (что сказали девушки госпожи Флинк): dass du hinter einem Mädchen her bist (что ты ухаживаешь за /какой-то/ девушкой)?"

11        „Ja", sagte ich, „es stimmt genau (это точно = совершенно верно), was die Mädchen sagen: ich bin hinter einem Mädchen her."

12        „Mein Gott", sagte er, „man dürfte dich nicht allein lassen (тебя нельзя оставлять одного), mit all dem Geld in der Tasche (со всеми /этими/ деньгами в кармане)."

13        „Man muss sogar (даже нужно)", sagte ich sehr leise, „geh jetzt, und bitte", sagte ich noch leiser, „frage mich nicht mehr (не спрашивай меня больше), was du deinem Vater sagen sollst."

1          Am anderen Morgen hatte der Alte mich ins Büro rufen lassen, hatte Veronika hinausgeschickt, und seine dunklen Hände hatten verlegen mit der Zigarre gespielt, dann hatte er — was er sonst nie tat — seinen grünen Filzhut vom Kopf genommen und gesagt: „Ich habe Kaplan Derichs angerufen und erst jetzt erfahren, dass deine Mutter vor kurzem gestorben ist. Wir wollen nie mehr davon reden, nie mehr, hörst du? Nun geh."

2          Ich ging, und als ich in die Werkstatt zurückkam, dachte ich: Wovon nicht mehr reden? Von Mutters Tod? Und ich hasste den Alten noch mehr als vorher: ich kannte denGrund nicht, aber ich wusste, dass ich Grund hatte. Seitdem war nie mehr von der Geschichte gesprochen worden, nie mehr — und ich hatte nie mehr geklaut, nicht, weil ich das Klauen für unberechtigt gehalten hätte, sondern weil es mir schrecklich war, von ihnen noch einmal Mutters Tod wegen etwas verziehen zu bekommen. „Geh jetzt", sagte ich zu Wolf, „geh." „Es tut mir Leid", sagte er, ;,es ... ich ..." Seine Augen sahen aus, als glaube er immer noch an feine Kerle, und ich sagte: „Es ist gut jetzt, denke nicht mehr daran und geh."

3          Er sah jetzt aus, wie Männer aussehen, die mit vierzig Jahren das verlieren was sie ihre Ideale nennen: ein bisschen schwammig schon, und freundlich und selbst ein bisschen von dem, was sie feiner Kerl nennen.

4          „Was soll ich denn Vater sagen?"

5          „Schickt er dich?"

6          „Nein", sagte er, „ich weiß nur, dass er sehr böse ist und dass er versuchen wird, dich zu erreichen, um über den Tritonia-Auftrag mit dir zu reden."

7          „Ich weiß noch nicht, was sein wird!"

8          „Weißt du es wirklich nicht?"

9          „Nein", sagte ich, „wirklich nicht."

10        „Stimmt es, was die Mädchen von Frau Flink sagten: dass du hinter einem Mädchen her bist?"

11        „Ja", sagte ich, „es stimmt genau, was die Mädchen sagen: ich bin hinter einem Mädchen her."

12        „Mein Gott", sagte er, „man dürfte dich nicht allein lassen, mit all dem Geld in der Tasche."

13        „Man muss sogar", sagte ich sehr leise, „geh jetzt, und bitte", sagte ich noch leiser, „frage mich nicht mehr, was du deinem Vater sagen sollst."

1          Er ging, und ich sah ihn draußen (и я увидел его на улице) am Schaufenster vorbeigehen mit herunterhängenden Armen (как он идёт мимо витрины, /идёт/ с опущенными: «свисающими» руками), wie einen Boxer (как боксёр), der in einen aussichtslosen Kampf geht (который идёт на безнадёжный, бесперспективный бой; die Aussicht — вид, перспектива). Ich wartete (я ждал), bis er um die Ecke der Korbmachergasse verschwunden sein musste (пока он не исчезнет за углом Корбмахергассе; verschwinden), dann stellte ich mich in die offene Ladentür (потом я встал в открытой двери магазина) und wartete, bis ich den Wickweberwagen in Richtung Bahnhof davonfahren sah (пока я не увижу Виквеберовскую машину, уезжающей в направлении вокзала). Ich ging in das Hinterzimmer zurück (я пошёл обратно в заднюю комнату), trank den Kaffee im Stehen aus (стоя: «в стоянии», выпил кофе) und steckte das dritte Brötchen in die Tasche (и сунул третью булочку в карман). Ich blickte auf meine Armbanduhr (я посмотрел на мои наручные часы; der Arm, das Band — лента, die Uhr), jetzt oben hin (теперь наверх /на верхнюю часть циферблата/, туда), wo die Zeit lautlos und langsam weitergeschoben wurde (где время двигалось дальше беззвучно и медленно; der Laut — звук; weiterschieben), und ich hoffte (и я надеялся), es würde halb sechs oder sechs sein (/что,/ возможно, было /уже/ половина шестого или шесть), aber es war erst vier (но было только четыре). Ich sagte „Auf Wiedersehen" zu der jungen Frau hinter der Theke und ging zu meinem Auto zurück: im Spalt (в зазоре; der Spalt) zwischen den beiden Sitzen vorne (между /обоими/ сиденьями впереди; der Sitz) sah ich eine weiße Spitze von dem Zettel (я увидел белый кончик листка), auf den ich mir morgens die Kunden notiert hatte (на который я себе утром записал /имена/ клиентов), die ich alle hätte besuchen müssen (которых я должен был бы сегодня посетить). Ich öffnete die Autotür (я открыл дверь автомобиля), zog den Zettel (вытащил листок; ziehen), zerriss ihn (разорвал его; zerreißen) und warf die Schnippel in die Gosse (и бросил клочки в сточную канаву). Ich wäre am liebsten wieder auf die andere Straßenseite gegangen (охотнее всего я перешёл бы снова на другую сторону улицы) und wäre tief, tief unters Wasser versunken (и погрузился бы глубоко-глубоко под воду; versinken, sinken-sank-gesunken), aber ich errötete bei dem Gedanken daran (но я покраснел при мысли об этом), ging zur Tür des Hauses, in dem Hedwig wohnte, und drückte die Klingel (и нажал звонок); ich drückte zweimal (два раза), dreimal und noch einmal, und ich wartete auf das Geräusch des Summers (ждал шума зуммера = звука от звонка), aber das Geräusch kam nicht (но звук не появился), und ich drückte noch zweimal auf die Klingel, und wieder ging der Summer nicht, und ich hatte die Angst wieder (и я снова испытал страх), dieselbe Angst (тот самый страх), die ich gehabt hatte (который был у меня), bevor ich zu Hedwig auf die andere Seite der Bahnsteigtreppe gegangen war (пока я не перешёл к Хедвиг на другую сторону вокзальной лестницы) — aber dann hörte ich Schritte (но потом я услышал шаги; der Schritt), Schritte, die nicht Frau Grohltas Schritte sein konnten (которые не могли быть шагами госпожи Гролта), eilige Schritte (торопливые шаги), die Treppe herunter (вниз по лестнице), durch den Flur (через прихожую), und Hedwig öffnete die Tür (и Хедвиг открыла дверь): sie war größer (она была больше = выше), als ich sie in Erinnerung hatte (чем мне казалось: «чем я имел её в воспоминании»), fast so groß wie ich (почти такого роста, как я), und wir erschraken beide (и мы оба испугались), als wir plötzlich (когда мы неожиданно) so nahe beieinander standen (находились = оказались так близко друг к другу). Sie wich einen Schritt zurück (она отступила на шаг; zurückweichen), hielt aber die Tür auf (но удерживала дверь; aufhalten), und ich wusste (а я знал), wie schwer die Tür war (какой тяжёлой была дверь), weil wir sie hatten aufhalten müssen (так как мы должны были её придерживать), als wir die Maschinen für Frau Flink hineingetragen hatten (когда мы вносили внутрь машины для госпожи Флинк), bis Frau Flink gekommen war (пока не подошла госпожа Флинк) und die Tür eingehakt hatte (и не зацепила дверь на крюк; der Haken).

2          „Es ist ein Haken an der Tür", sagte ich.

3          „Wo?" sagte Hedwig.

4          „Hier", sagte ich, und ich klopfte oberhalb des Türknopfes von außen gegen die Tür (и я постучал повыше дверной ручки снаружи = с внешней стороны двери; der Knopf — кнопка; округлаядвернаяручка), und ihre linke Hand und ihr Gesicht (и её левая рука и её лицо) verschwanden für einige Augenblicke (исчезли на несколько мгновений; verschwinden) im Dunkel hinter der Tür (в темноте за дверью). Das Licht fiel von der Straße hell auf sie (свет с улицы упал на неё), und ich sah sie mir genau an (я пристально рассматривал её); ich wusste, dass es schrecklich für sie war (что это было для неё ужасно), so angesehen zu werden (что её так рассматривают: «стать так рассматриваемой»), wie ein Bild angesehen wird (как рассматривают картину), aber sie hielt meinen Blick fest (но она /вы/держала мой взгляд; festhalten), ließ nur die Unterlippe ein wenig hängen (только немного свесила = опустила нижнюю губу; die Lippe), und sie sah mich so genau an (и она меня столь же пристально рассматривала), wie ich sie ansah, und ich spürte, dass meine Angst weg war. Wieder spürte ich den Schmerz (снова я ощутил боль), mit dem dieses Gesicht in mich eindrang (с которой это лицо проникало в меня; eindringen).

1          Er ging, und ich sah ihn draußen am Schaufenster vorbeigehen mit herunterhängenden Armen, wie einen Boxer, der in einen aussichtslosen Kampf geht. Ich wartete, bis er um die Ecke der Korbmachergasse verschwunden sein musste, dann stellte ich mich in die offene Ladentür und wartete, bis ich den Wickweberwagen in Richtung Bahnhof davonfahren sah. Ich ging in das Hinterzimmer zurück, trank den Kaffee im Stehen aus und steckte das dritte Brötchen in die Tasche. Ich blickte auf meine Armbanduhr, jetzt oben hin, wo die Zeit lautlos und langsam weitergeschoben wurde, und ich hoffte, es würde halb sechs oder sechs sein, aber es war erst vier. Ich sagte „Auf Wiedersehen" zu der jungen Frau hinter der Theke und ging zu meinem Auto zurück: im Spalt zwischen den beiden Sitzen vorne sah ich eine weiße Spitze von dem Zettel, auf den ich mir morgens die Kunden notiert hatte, die ich alle hätte besuchen müssen. Ich öffnete die Autotür, zog den Zettel, zerriss ihn und warf die Schnippel in die Gosse. Ich wäre am liebsten wieder auf die andere Straßenseite gegangen und wäre tief, tief unters Wasser versunken, aber ich errötete bei dem Gedanken daran, ging zur Tür des Hauses, in dem Hedwig wohnte, und drückte die Klingel; ich drückte zweimal, dreimal und noch einmal, und ich wartete auf das Geräusch des Summers, aber das Geräusch kam nicht, und ich drückte noch zweimal auf die Klingel, und wieder ging der Summer nicht, und ich hatte die Angst wieder, dieselbe Angst, die ich gehabt hatte, bevor ich zu Hedwig auf die andere Seite der Bahnsteigtreppe gegangen war — aber dann hörte ich Schritte, Schritte, die nicht Frau Grohltas Schritte sein konnten, eilige Schritte, die Treppe herunter, durch den Flur, und Hedwig öffnete die Tür: sie war größer, als ich sie in Erinnerunghatte, fast so groß wie ich, und wir erschraken beide, als wir plötzlich so nahe beieinander standen. Sie wich einen Schritt zurück, hielt aber die Tür auf, und ich wusste, wie schwer die Tür war, weil wir sie hatten aufhalten müssen, als wir die Maschinen für Frau Flink hineingetragen hatten, bis Frau Flink gekommen war und die Tür eingehakt hatte.

2          „Es ist ein Haken an der Tür", sagte ich.

3          „Wo?" sagte Hedwig.

4          „Hier", sagte ich, und ich klopfte oberhalb des Türknopfes von außen gegen die Tür, und ihre linke Hand und ihr Gesicht verschwanden für einige Augenblicke im Dunkel hinter der Tür. Das Licht fiel von der Straße hell auf sie, und ich sah sie mir genau an; ich wusste, dass es schrecklich für sie war, so angesehen zu werden, wie ein Bild angesehen wird, aber sie hielt meinen Blick fest, ließ nur die Unterlippe ein wenig hängen, und sie sah mich so genau an, wie ich sie ansah, und ich spürte, dass meine Angst weg war. Wieder spürte ich den Schmerz, mit dem dieses Gesicht in mich eindrang.

1          „Damals", sagte ich, „waren Sie blond."

2          „Wann, damals?" fragte sie.

3          „Vor sieben Jahren (семь лет тому назад), kurz bevor ich von zu Hause wegging (незадолго до того, как я ушёл из дома)."

4          „Ja", sagte sie lächelnd, „damals war ich blond und blutarm (и малокровная; das Blut — кровь, arm — бедный)."

5          „Ich sah nach blonden Mädchen aus heute morgen (я высматривал светловолосую девушку сегодня утром)", sagte ich, „aber Sie haben die ganze Zeit hinter mir auf dem Koffer gesessen (но Вы всё время сидели на чемодане позади меня)."

6          „Nicht lange (не долго)", sagte sie, „ich hatte mich gerade hingesetzt (я как раз села), als Sie kamen (когда Вы пришли). Ich habe Sie gleich erkannt (я Вас немедленно = сразу узнала; erkennen), aber ich wollte Sie nicht ansprechen (но я не хотела с Вами заговаривать)." Sie lächelte wieder.

7          „Warum?" sagte ich.

8          „Weil Sie so ein böses Gesicht hatten (потому, что у Вас было такое сердитое лицо), und weil Sie so erwachsen und so wichtig aussahen (и потому, что Вы выглядели таким взрослым и таким важным), und ich habe Angst vor wichtigen Leuten (а я боюсь важных людей)."

9          „Was dachten Sie (что Вы подумали)?" fragte ich.

10        „Oh, nichts", sagte sie. „Ich dachte: das ist also der junge Fendrich (так это молодой Фендрих); auf dem Bild (на фотографии), das Ihr Vater hat, sehen Sie viel jünger aus (Вы выглядите намного моложе). Man spricht nicht gut von Ihnen (о Вас нехорошо говорят). Jemand hat mir erzählt (кто-то мне рассказывал), dass Sie gestohlen haben (что Вы /что-то/ украли; stehlen-stahl-gestohlen)." Sie wurde rot (она покраснела), und ich konnte deutlich sehen (и я мог отчётливо видеть), dass sie nicht mehr blutarm war (что она больше не была малокровной): sie wurde so glühend rot (она стала такой раскалённо-красной; glühen — раскаляться), dass es mir unerträglich war (что мне было невыносимо; ertragen — переносить, терпеть), es zu sehen (это видеть).

11        „Nicht", sagte ich leise, „werden Sie nicht rot (не краснейте). Ich habe wirklich gestohlen (я действительно украл), aber es ist sechs Jahre her (но это было шесть лет тому назад), und es war (это было) — ich würde es wieder tun (я сделал бы это снова). Wer hat es Ihnen erzählt?"

12        „Mein Bruder", sagte sie, „und er ist gar kein übler Kerl (а он совсем не плохой парень; übel — плохой)."

13        „Nein", sagte ich, „er ist gar kein übler Kerl. Und Sie haben daran gedacht (и Вы думали о том), dass ich gestohlen habe (что я /когда-то/ украл; stehlen), eben als ich weggegangen war (даже когда я ушёл; weggehen)."

14        „Ja", sagte sie, „ich habe daran gedacht, aber nicht lange (но не долго)."

15        „Wie lange denn (всё же, как долго)?" fragte ich.

16        „Ich weiß nicht", sagte sie lächelnd (сказала она, улыбаясь), „ich habe auch an andere Dinge gedacht (я думала и о других вещах; das Ding). Ich hatte Hunger (я была голодна; der Hunger — голод)", sagte sie, „aber ich hatte Angst hinunterzugehen (но я боялась спуститься вниз), weil ich wusste (так как я знала), dass Sie hier standen (что Вы здесь стоите)."

17        Ich zog das Brötchen aus der Rocktasche (я вытащил булочку из кармана пиджака; ziehen-zog-gezogen), sie nahm es lächelnd (она взяла её, улыбаясь), brach es schnell auf (быстро разломила её; aufbrechen, brechen-brach-gebrochen), und ich sah (и я увидел) ihren weißen kräftigen Daumen (как её белый сильный большой палец руки) tief in den weichen Teig hineinsinken (глубоко погрузился в мягкое тесто = в мякиш), wie in ein Kissen hinein (как в подушку). Sie aß einen Bissen (она съела один кусок), und bevor sie den zweiten nahm (и прежде, чем она взяла второй), sagte ich (я сказал): „Sie wissen nicht, wer Ihrem Bruder von meinem Diebstahl erzählt hat (кто рассказал Вашему брату о моей краже)?"

18        „Liegt Ihnen viel daran (Вам очень важно), es zu wissen (это знать)?"



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