Zur fachgebundenen Lexik gehören (neben Termini und Halbtermini) auch
Als Quellen der Entstehung fachsprachlicher Lexik können folgende Faktoren genannt werden:
1) gemeinsprachliches Wortgut, das durch Definition genormt und terminologisiert worden ist;
2) metaphorische oder metonymische Übertragung aus der Gemeinsprache und Wortbildung (für die motivierten Termini);
3) fremdes Wortgut (meist Internationalismen, Neubildungen aus griechischen oder lateinischen Morphemen und Lexemen).
Unter gruppenspezifischen Wortschätzen versteht man
Zu den bekanntesten Wortschätzen des Deutschen gehören die so genannte Studentensprache, die Gaunersprache bzw. das Rotwelsch oder Argot, die Soldatensprache.
Die Jargonismen dieser Gruppe erfüllen eine Tarnfunktion. Dieser Gruppenwortschatz ist ein Mittel, sich von den Nichteingeweihten abzusondern und für alle anderen Angehörigen der Sprachgemeinschaft unverständlich zu bleiben. Dieser Wortschatz zeichnet sich durch eine besondere Wandelbarkeit aus. Sobald ein Argotismus in der Gemeinsprache bekannt wurde, wurde er sogleich durch ein neues Wort ersetzt. Ein viel umstrittenes Problem der gruppenspezifischen Lexik sind gewisse Eigenheiten des Wortschatzes der Jugendlichen. In der einschlägigen Literatur gibt es auch andere Bezeichnungen: Jugenddeutsch, Jugendjargon, Jugendslang, Teenagerdeutsch, Jugendsprache, Soziolekt u.a.
Die Besonderheit der Jugendsprache ist die Tatsache, dass sie sozial nicht gebunden und nicht beschränkt ist. Träger dieses Gruppenwortschatzes sind verschiedene Altersgruppen, sie umfassen Jugendliche im Alter von 14 bis 30 Jahren.
Eine der viel diskutierten Fragen ist die Einflüsse der Fachlexik auf den Gemeinwortschatz. Die Fachwörter verschiedener Bereiche beeinflussen immer stärker den Wortschatz der Gemeinsprache. Darum spricht man heute von einer zunehmender Intellektualisierung der Gemeinsprache (als Folge einer von Wissenschaft und Technik beeinflussten gesellschaftlichen Entwicklung).
In der Alltagspraxis werden heutzutage viel mehr technische Konsumgüter verwendet. Das technische Vokabular dringt damit in die Gemeinsprache ein. Das sind Fachwörter der Elektronik, der Wortschatz der Kraftfahrzeugtechnik usw. Die Lexik der Gemein-und Umgangsprache wird ständig durch Gruppenwortschätze bereichert. Die synonymischen und thematischen Reihen des Allgemeinwortschatzes werden mit stilistischen und ideographischen Synonymen, Lexemen und Phraseologismen der gruppenspezifischen Wortschätze aufgefüllt. Bezeichnend dabei für alle Lexeme ist ihre zusätzliche semantische Umformung. Entweder sind die Bedeutungen erweitert oder es tritt eine metaphorische Bedeutungsübertragung ein, wodurch Phraseologismen entstehen.
Die Wechselbeziehungen zwischen Jugendlexik und Umgangssprache ist ein durchaus interessantes Thema der modernen lexikalischen Forschung. Der Beitrag der Jugendlexik zur Erweiterung der expressiven, stilistisch markierten Lexik ist in den letzten Jahrzehnten sehr bedeutend. Gerade die Jugendlexik ist eine der wichtigsten Quellen der gängigen Ausdrücke bzw. Modewörter in der saloppen Alltagsrede.
Zu Besonderheit dieser Sonderlexik gehört die Tatsache, dass sie ohne sekundäre semantische Transformation in der Umgangssprache fungiert. Bei der Betrachtung der Erscheinungsformen der deutschen Sprache, der Stratifikation des deutschen Wortbestandes und der Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Schichten kann man folgende Schlüsse ziehen.
1. Aus synchroner Sicht ist der Worbestand ein vielschichtiges Gebilde, das die Kommunikation einer Sprechgemeinschaft gewährleistet. Die zentrale Schicht bildet der Allgemeinwortschatz, der den Begriffsschatz der Sprache repräsentiert, was seine Multivalenz bedingt, d.h. seine Gültigkeit in allen Gebrauchssphären. Diese Schicht ist auch durch den normativen Charakter und einen Reichtum an funktionalstilistischen Varianten gekennzeichnet. Um diesen Kern liegen weitere oder periphere Schichten: fachgebundene Lexik (Termini, Halbtermini, Fachjargonismen), Gruppenwortschätze sozialer Gruppen und der Altersgruppen (Studentensprache, Argot, Jugendsprache usw.) die territorialgebundene Lexik (dialektale und landschaftliche).
2. Aus diachronischer Sicht ist der Wortbestand Produkt zahlreicher sozialbedingter und sprachlicher Übergänge aus zentraler Schicht in periphere und umgekehrt. Die Wechselbeziehungen zwischen Allgemeinwortschatz und fachbezogener Lexik einerseits und Allgemeinwortschatz und Gruppenwortschätzen andererseits werden von verschiedenen semantischen Prozessen begleitet: Absonderung bzw. Spezialisierung, Erweiterung, zusätzliche semantische und funktionalstilistische Transformationen.
Vorlesung 12. Zeitliche Markierung der Lexik. Das Neue und alte Wortgut der deutschen Sprache
Wortschatzwandel ist ein charakteristisches Merkmal der Sprache als gesellschaftlicher Erscheinung und als Kommunikationsmittel. Die zeitliche Markierung der Lexik ist eine der wichtigsten kommunikationsrelevanten Kennzeichnungen des Wortes, ihre wichtigsten Erscheinungsformen sind Neologismen und Archaismen.
Neologismen stellen eine konkrete Geschichte des Volkes dar. Das ist ein neues Wort, das zu einer bestimmten Epoche entstanden ist. Dieses Wort benennt alles Neues, was in der Gesellschaft benannt werden soll. Neologismen entstehen in allen Bereichen des Lebens – in der Politik, im Gesundheitswesen, im Bereich der Industrie, Technik, Werbung.
Der
Die Ursachen der Bildung von Neologismen liegen im Bedarf an neuen Benennungen, die als Erstbenennungen für neue Objekte oder als pragmatisch günstigere Zweitbenennungen für alte Objekte gebraucht werden. Die Zweitbenennungen entstehen oft, um das soziale Prestige des bezeichneten Denotats zu erhöhen oder den Ausdruck zu verstärken bzw. zu verhüllen.
Man unterscheidet drei Wege der Entstehung von Neologismen: Entlehnung, Wortbildung, Analogie. Man unterscheidet drei Gruppen der Neologismen: Neuwort, Neuprägung und Neubedeutung. Zu den Neulexemen gehören Neuentlehnungen, Neuphraseologismen, Kunstwörter, Kontrakturen, Abkürzungen. Neuschöpfungen entstehen ohne analoge Wortbildungsmuster.
Unter
Da das Wort eine Einheit aus Formativ und Bedeutung ist, unterscheidet man demnach folgende Arten von Archaismen.
1.
2.
3.
4.
In der heutigen Kommunikation sind Archaismen nur motiviert zu gebrauchen. Kommunikativ notwendig ist ihre Verwendung zur Benennung von Sachverhalten historisch zurückliegender Zeitepochen. Eine spezielle Funktion haben Archaismen im Sprachkunstwerk zur Schaffung eines Zeitkolorits. Archaismen werden auch als Mittel des Sprachporträts genutzt. Durch altertümliche Redeweise wird die Generationsgebundenheit einer Person charakterisiert.
Literaturverzeichnis
1. Медведева Е. В. Лексикология немецкого языка: лекции, семинары, практические занятия / Е. В. Медведева. М.: Книжный дом «ЛИБРОКОМ», 2009. 448 с.
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3. Степанова М. Д. Лексикология современного немецкого языка: учебник / М. Д. Степанова, И. И. Чернышёва. М.: Издательский центр «Академия», 2003. 256 с.
4. Шевелева Л. В. Лексикология современного немецкого языка: курс лекций / Л. В. Шевелева. М.: Высшая школа, 2004. 240 с.